Chevrolet El Camino – 2. Generation (1964-1967)

Der El Camino von 1964 bis 1967 stellte die zweite Generation des Coupé-Pickups (Coupé Utility Vehicle) von Chevy dar.

Chevy El Camino - zweite Generation 1966
By GPS 56 / CC BY 2.0

Als Chevrolet im Jahr 1960 den El Camino wegen den schlechten Absatzzahlen fallen ließ, konnte noch keiner ahnen, dass das Modell tatsächlich nur eine Pause einlegte.
So staunte man in den USA nicht schlecht, als der Hersteller im Jahr 1964 schließlich die zweite Auflage des Chevrolet El Camino der Öffentlichkeit präsentierte.

 

Runde zwei der Limousinen-Pickup-Schlacht

Mit dem 64er El Camino präsentiert Chevrolet zugleich auch wieder einen alten / neuen Ranchero-Konkurrenten, wodurch die Limousinenschlacht in die zweite Runde ging.
Ford konnte bereits mit seinem Coupé-Pickup Ranchero die erste Runde für sich entscheiden. Der seit 1960 auf dem Falcon basierende Ford Ranchero erzielte konstant bis 1963 rund 20.000 Verkäufe pro Modelljahr. Mit der Einführung der zweiten Generation des neuen Pkw-Pickup von Chevy geriet Ford jedoch sofort in die Defensive.

 

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Der Pkw-Laster El Camino II im neuen Gewand und neuer Technik

Die zweite Generation des Chevy El Camino besaß eine weniger originelle Karosserie und war äußerlich eher kompakt und nüchtern gestaltet – verglichen mit zuvor. Hauptgrund hierfür war, dass das neue Modell nun mehr als Utiliy (Nutzfahrzeug) angesehen werden sollte und weniger als Personenwagen (Limousine). Weshalb man auch anfangs auf den Einbau besonders starker Motoren verzichtete. Doch diese Rechnung wurde ohne den Kunden gemacht, worauf man zwei Jahre später dies wieder revidierte und dem El Camino auch die richtig großen Triebwerke zur Seite stellte. Doch erst mal zurück zum Anfang:

1964 El Camino - Coupé-Pickups
Von Chevrolet pre-1978

Die Basis

Als Basis diente hier der Mittelklassewagen Chevrolet Chevelle, welcher unter anderem auch als zweitürige Kombi-Version angeboten wurde. Somit hatte er alle Voraussetzungen für den neuen Chevrolet El Camino, weshalb man die komplette Karosserie bis zur B-Säule sowie die langen hinteren Seitenteile komplett übernahm. Die abfallende B-Säule selbst erinnerte hier jedoch stark an den Chevy Nomad von 1955 bis 1957.
Durch den Umstand, dass die zweite Baureihe des El Camino vom selben Band lief wie der Chevelle, konnte dieser sich auch aus der großen Angebotspalette bedienen (wie Außenfarben, Motoren ect.).
PS. Alle Modelle trugen zu dieser Zeit die Typenschilder „Chevelle“ an den vorderen Kotflügeln.

Erste und zweite El Camino Generation im Vergleich

Wie die erste Generation übernahm auch das neue 64er Modell das Grunddesign des jeweiligen Basismodells. Die drei bequemen Sitzplätze in der Kabine blieben Standard. Der Radstand schrumpfte um ca. 10 cm (auf 2.921 mm). Die Dimension der Ladefläche wuchs dagegen leicht an, zumindest in der Tiefe und Länge. Mit heruntergeklappter Heckklappe (diente als verlängerte Ladefläche) kam man nun auf eine max. Länge von 2,58 Meter (zuvor 2,31 m).
Zur Serienausstattung des neuen El Camino gehörte von nun an auch die zuvor optional angebotene Niveauregulierung (Luftfederung), die ein Absacken des Hecks bei schwerer Last verhinderte.
Des Weiteren zeichnete sich der El Camino II durch einen Vollperimeterrahmen, Vollspule Suspension und eine zur damaligen Zeit beeindruckende Vierlenker-Hinterachse aus.

64er Chevrolet El Camino - Limousinen-Pickup

Sicherheit

Optional ließ sich das Fahrzeug mit Sintermetall-Bremsbeläge ausstatten, was den Chevy Coupé-Pickup schneller zum Stehen brachte. Des Weiteren gehörten nun auch Fahrer- und Beifahrer-Sicherheitsgurte zur Serienausstattung.

Interieur

Kunden konnten aus den Farben: Aqua, Beige oder Rot ihren Innenraum bestimmen.
Während die Basismodelle mit Vollvinyl Verkleidungen und Gummimatten für die Bodenbeläge im Innenraum vorlieb nahmen gab es in der Custom-Version eine Kombination aus Stoff und Vinyl, verbesserte Türverkleidung sowie ein zweifarbiges Lenkrad und Teppichböden.

Optionale Ausstattung

Der Chevrolet El Camino der zweiten Generation (je nach Ausstattungsstufe: Malibu oder Custom) ließ sich natürlich optional noch um eine vielfaches erweitern – wie z.B. durch:

  • Schalensitze (zwei Einzelsitze mit Mittelkonsole)
  • Super Sport-Radkappen
  • Abdeckung für das Reserverad (hinter dem Sitz)
  • elektrische Fensterheber
  • Klimaanlage
  • Drehzahlmesser
  • Holzlenkrad
  • diverse Custom Feature Accessories wie Scheinwerfer, Außenspiegel und Werkzeugkasten
  • uvm.

Antrieb

Die Motorenauswahl umfasste bei Marktstart zwei Reihensechszylinder mit 3,2-Liter und 3,8-Liter Hubraum sowie zwei V8-Versionen mit 4,6-Liter Hubraum.

(194 cubic inches) 3,2-Liter-Sechszylinder-Motor: 120 PS
(230 cubic inches) 3,8-Liter-Sechszylinder-Motor: 155 PS (mit scharfer Nockenwelle)
(283 cubic inches) 4,6-Liter-Small-Block-V8-Motor: Zweizylinder-Vergaser 195 PS / Vierzylinder-Vergaser und Doppelauspuff 220 PS

Im Laufe des Modelljahres 1964 wurde die Optionsliste des El Camino um zwei Triebwerke erweitert:

(327 cubic inches) 5,4-Liter-Small-Block-V8-Motor: 250 PS / 300 PS (letztere mit einem höheren Verdichtungsverhältnis 10,5: 1 sowie größerem Vierzylinder-Vergaser und Doppelauspuffanlage)

Als Getriebe diente standardmäßig ein Dreigangschaltgetriebe mit Overdrive. Ein GM-basiertes Muncie-Viergang-Schaltgetriebe mit breitem Übersetzungsverhältnis gab es optional für die V-8-Versionen. Eine 2-Gang-Powerglide-Automatik rundete schließlich das Getriebe-Angebot gänzlich ab.

Preise zum Marktstart und Verkaufszahlen

Die zweite Generation des Chevrolet El Camino kostete bei seiner Einführung (in der Standardausführung und mit einem Sechszylinder-Triebwerk) 2.260 US-Dollar. Mit dem Basis-V8 (195 PS) wurden bereits 2.368 US-Dollar fällig.

Der oftmals als „Gentleman’s Pickup“ bezeichnete El Camino von 1964 kam sehr gut bei den Kunden an, was sich in den Verkaufszahlen deutlich spiegelte. So konnte Chevy bereits im ersten Jahr (1964) 32.548 Fahrzeuge verkaufen. Dies übertraf nicht nur das eigene Vorgängermodell, sondern auch die des Konkurrenten Ranchero, der es in diesem Jahr nur auf 17.316 Einheiten brachte (1.200 Fahrzeuge weniger als im Vorjahr).

 

1965 Chevrolet El Camino (Facelift)

Der 65er El Camino erhielt ein neues Erscheinungsbild, in dem er das gleiche Facelift wie der 65er Chevelle erhielt. Neuer Kühlergrill, Motorhaube und Stoßstange sorgten nun für eine leicht V-förmige Frontansicht, was ihn rund sechs Zentimeter in der Länge anwachsen ließ.
Chevrolet entfernte nun auch die Chevelle-Typenschilder von den Flanken des Pickups, wodurch man begann, sich etwas von den Pkw-Modellen abzugrenzen. Ebenso zierte ein neues Rücklichtdesign das Heck und die Rückfahrscheinwerfer wanderten in die hintere Stoßstange, wo sie für eine bessere Ausleuchtung beim Rückwärtsfahren sorgten.
Außerdem standen Käufern insgesamt 12 Außenfarben zur Auswahl, wovon 10 neu waren.

1965 Chevy El Camino
von Tim Emerich / Lizenz: CC0 Public Domain

Des Weiteren erweiterte man die Optionsliste mit: AM-FM-Radio, eine „Low D-Note“ -Hupenoption, Kompass und Tempomat. Weitere Änderungen und Verbesserungen betrafen die Innenverkleidung, ein neues Zwei-Schlüssel-Verriegelungs- / Zündsystem sowie die Schalldämmung.

Unter der Haube hatte sich bei den 65er Modellen ebenfalls etwas getan. So ergänzte man die Motorenpalette um eine leistungsstärkere L79-Version des 5,4-Liter-V8-Triebwerks mit 350 PS.
Die anderen Motoren – mit Ausnahme des 4,6-Liter-Motors (220 PS Version) – übernahm man vom Vorjahr. Wobei der 5,4-Liter-Small-Block-V8-Motor mit 250 PS neue Zylinderköpfe und eine Einzelabgasanlage mit größerem Durchmesser (optional mit Doppelanlage) erhielt. Das 3,8-Liter-Triebwerk musste dagegen Federn lassen. Dieses leistete hier nur noch 140 PS, da man ihm die scharfe Nockenwelle entzog.

Um den Fahrkomfort des Coupé-Pickups zu erhöhen wurde auch die Federung neu abgestimmt, die hier nun für eine weichere und ruhigere Fahrt sorgten. Zudem brachten neue Niederquerschnittsreifen die Insassen näher an die Straße.

Info: Der Verkaufspreis für einen 65er El Camino startete bei 2.272 US-Dollar / mit V8-Motor 2.461 US-Dollar. Die Produktionszahlen beliefen sich auf 34.724 Fahrzeuge.

 

1966 Chevrolet El Camino (weiteres Facelift-Modell)

Im Jahr 1966 verpasste Chevrolet seinem Chevelle – und somit auch seinem El Camino – erneut einen neuen äußeren Look. Hierbei hatte man alle Karosserieteile unterhalb der Gürtellinie (mit Ausnahme der Heckklappe) neu designt.
Durch den Umstand, dass Chevy die 3-türige Kombi-Chevelle-Version in diesem Jahr einstellte, besaß der 66er Limousinen-Pickup nun ein einzigartiges Heck (bzw. hinteres Viertel). Lediglich die neuen vertikalen Rücklichter (diesmal wieder mit integrierten Rückleuchten) wurden weiterhin mit den Chevelle-Modellen geteilt. Ebenso war er auch der erste El Camino, der seinen Namen auf dem Blech tragen durfte – auf einem Emblem in der Mitte des neuen Kühlergrills.
PS. Das Fahrzeug wurde nun in 15 Magic-Mirror-Acrylfarben angeboten, wovon sechs Farben neu waren.

1966 Chevrolet El Camino Pkw-Pickup
By Sicnag1966 Chevrolet El Camino, CC BY 2.0, Link

Aber auch im Innern hatte sich in diesem Modelljahr etwas getan. Neben einer neuen Instrumententafel (mit horizontalem Geschwindigkeitsmesser und optionalen Drehzahlmesser), Kopfstützen und Schultergurten (Dreipunktgurten) gab es auch neue Innenfarben. So ersetzte man beispielsweise die Farbe Aqua durch Blau und ein schwarzes Interieur gab es nun in der Ausstattungsstufe Custom (mit Schalensitze).

Freuen konnten sich auch die leistungsorientierten Kunden, denn für sie standen stärkere Triebwerksoptionen zur Auswahl. Neben einem 6,5-Liter-Big-Block-V8-Motor (396 cubic inches) mit 325 und 360 PS Leistung, gesellte sich ab Mitte 1965 sogar noch eine L78 genannte 375 PS Version des Big Block hinzu.
Dieser Spaß kostete ein Extra von 425 US-Dollar und wurde insgesamt 3.099 mal in Anspruch genommen. Ein damaliger Straßentest ergab (leider nur mit der 325 PS-Version) eine Viertelmeilenzeit von knapp 16 Sekunden. Die 375 PS-Variante dürfte hier allerdings rund eine Sekunde schneller unterwegs sein.
Weiter auf der Bestellkarte standen: ein einzelner 5,4-Liter-Small-Block-V8-Motor diesmal mit 275 PS sowie das wieder eingeführte 4,6-Liter-Small-Block-V8-Triebwerk mit 220 PS Leistung. Die beiden Sechser und auch der Standard V-8 wurden hierbei unverändert übertragen.

Das vollsynchronisierte Warner „Floorshift“ Dreigang-Schaltgetriebe, welches anfangs nur den 6,5-Liter-Motoren vorbehalten war, wurde ab Mitte 1966 auch für andere El Camino-Motoren als Option angeboten. Ein Viergang-Getriebe gab es nur in den V8-Versionen, wobei das Getriebe in den 360 und 375 PS-Versionen enger gestuft war.

Trotz des erneuten Preisanstiegs – jetzt mindestens 2.318 US-Dollar und 2.504 US-Dollar für den beliebten Chevrolet El Camino Custom V8 – lag die Modelljahresproduktion nun bei 35.119 Einheiten. Damit stieg die Nachfrage das zweite Jahr in Folge.

 

1967 Chevrolet El Camino

Ein weiteres Facelift erhielt der Coupé-Pickup von Chevy auch im Jahr 1967. Hierbei sorgte ein neuer Kühlergrill, Frontstoßstange sowie neu gestylte Kotflügel für einen neuen Front-Look. Ebenso zierte von nun an ein verchromter El Camino Schriftzug die Vorderkante der Motorhaube.
Das Heck stattete man mit neuen verbesserten „Cheese-Wedge“ Rückleuchten aus, die das Fahrzeug auch bei Nacht seitlich sichtbar machten. Die Rückfahrscheinwerfer sanken dabei erneut wieder in die Heckstoßstange. Ebenfalls neu beim 67er Modell Custom war nun auch die an der Heckklappe angebrachte Zierblende mit Holzoptik.

1967 Chevrolet El Camino Pickup
Von sv1ambo1967 Chevrolet El Camino pickup, CC BY 2.0, Link

Weitere Upgrades von 1967 im Überblick:

  • Zweikreis-Bremssystem
  • neue Front- Scheibenbremse Option
  • Rallye Wheels mit hellen Zierringen und kleinen Mittelkappen sowie Chevelle-Radkappen in neuem Design
  • Dreispeichen-Lenkrad
  • Energie-absorbierende Lenksäule
  • neues GM-Schlüsseldesign
  • 15 verschiedene Außenfarben (10 davon neu)
  • optionales schwarzes Vinyldach (auf Wunsch auch in Wagenfarbe)

Im Gegensatz zum Interieur, das nahezu unverändert blieb, tat sich in Sachen Antriebsstrang beim 67er El Camino jedoch einiges. So wurde beispielsweise der 3,8-Liter-Sechzylinder zum neuen Basistriebwerk. Die nächst höhere Option bildetet nun ein 4,1-Liter-Motor (250 cubic inches) mit ebenfalls Sechzylindern und 155 PS. Bei den V8-Modellen blieb der 4,6-Liter mit 195 PS Standard, während die 220 PS-Version diesmal endgültig ausgemustert wurde. Auch das 5,4-Liter-Triebwerk mit 275 PS wurde übernommen, neben das sich jedoch nun eine neue High-Performance-Variante mit 325 PS Leistung hinzugesellte.
Mit ins Modelljahr 67 kam auch der mächtige 6,5-Liter-Big-Block-V8 (SS396 Motor / Basistriebwerk des Chevelle SS) mit 325 PS, dessen Sperrspitze hier allerdings nur noch eine 350 PS-Variante bildete (zuvor 360 und 375 PS).

PS. Die stärkeren Motoroptionen beinhalteten diverse Performance-Fahrwerkskomponenten.
Obwohl es zu dieser Zeit noch keinen El Camino Super Sport (kurz SS) gab, versahen viele Besitzer ihren 67er mit der SS-Teilen und Beschriftung vom Chevelle .

Neu zum Einsatz kam beim 67er El Camino Pickup auch das 3-Gang-Automatikgetriebe Turbo Hydramatic 400 (TH400), welches den 6,5-Liter-Modellen optional zur Seite stand. Unverändert dagegen blieb das Standard Dreigangschaltgetriebe sowie die Optionen (je nach Modell): Vierganggetriebe und eine 2-Gang- Powerglide- Automatik. Aber auch unterschiedliche Getriebeübersetzungen standen dem Kunden zur Wahl.

Info: Der Preis für den 67er Linousinen-Pickup von Chevy startete bei 2.613 US-Dollar / mit einem V8 bei 2.694 US-Dollar.

Die zweite Generation des Chevrolet El Camino war das letzte Modell, das man auf einem A-Body Chassis aufbaute und wurde letztendlich durch die dritte Generation von 1968 abgelöst.
Den harten Konkurrenzkampf auf dem Gebiet der autobasierten Pickups konnte Chevrolet (in der zweiten Runde) jedoch klar für sich entscheiden. Ford brachte es 1967 mit seinem Ranchero auf 17.243 Einheiten und erreichte damit gerade mal knapp die Hälfte der Produktion vom El Camino II, der hier auf 34.830 Stück kam.
Insgesamt brachte es die zweite Auflage des Chevrolet El Camino (von 1964 bis 1967) auf 137.221 produzierte Fahrzeuge.

 

Video – Chevy El Camino 1967

 

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