Renault Colorale als Pick-up Version (1950–1957)

Der Renault Colorale gehört zu den ungewöhnlichsten Modellen der französischen Nutzfahrzeuggeschichte. Vorgestellt im Jahr 1950, war das Modell als robustes Multifunktionsfahrzeug für raue Bedingungen konzipiert. Der Name „Colorale“ setzt sich zusammen aus den Wörtern „COLO-niale“ (für den Einsatz in den Überseegebieten) und „RU-rale“ (für die ländliche Landwirtschaft). Neben den bekannteren Kombi-Ausführungen wie dem Prairie oder dem Savane umfasste die Modellpalette von Beginn an auch reine Nutzfahrzeug-Varianten, darunter die werkseitig angebotene Pick-up-Version des Renault Colorale.

Renault Colorale Pick-up

Karosserievarianten und Modellvielfalt des Renault Colorale

Renault bot den Colorale in insgesamt sieben verschiedenen Karosserieausführungen an, um unterschiedliche Anforderungen im Gewerbe- und Personenverkehr abzudecken. Zu den Varianten gehörten:

  • Prairie (Break rural): Der fünftürige, geräumige Kombi mit zweigeteilter Heckklappe. Er bot Platz für bis zu sechs (in manchen Bestuhlungen bis zu sieben) Personen und richtete sich vor allem an Familien und ländliche Gewerbetreibende.
  • Savane (Break colonial): Die dreitürige „Tropen-Variante“ für die französischen Überseegebiete. Sie besaß ein ausstellbares Pare-Brise (Windschutzscheibe) und seitliche Ausschnitte, die statt fester Fensterscheiben mit wetterfesten Stoffplanen verschlossen werden konnten.
  • Fourgonnette: Ein vollständig geschlossener Lieferwagen (Kastenwagen) für den Gütertransport.
  • Pick-up: Zweitüriges Nutzfahrzeug mit offener, robuster Ladefläche (optional mit Plane und Spriegel).
  • Chassis-Cabine (Fahrgestell mit Fahrerhaus): Die werkseigene Basis für den Ausbau durch externe Karosseriebauer.
  • Plateau-Ridelles (Pritschenwagen): Ein fester Pritschenaufbau mit abklappbaren Bordwänden. Zunächst nur über externe Karosseriebauer realisiert, wurde er ab 1953 als offizielle Variante direkt ins Renault-Verkaufsprogramm aufgenommen.
  • Taxi: Eine speziell für den Personentransport angepasste Werksausführung des Prairie (unter anderem mit Klappsitzen/Strapontins im Fond).

Auf Basis des robusten Fahrgestells entstanden so sowohl die werkseigenen Pick-ups als auch maßgeschneiderte Sonderaufbauten externer Karosseriebauer.

Technische Daten des Renault Colorale Pick-up

Der Renault Colorale verfügte über ein massives Fahrgestell mit Leiterrahmen, das auf hohe Belastbarkeit ausgelegt war. Die technischen Merkmale im Überblick:
Motoren:

  • Renault 85, Typ 603: Vierzylinder, seitengesteuert (SV / Side-Valves), 2.383 cm³, ca. 48 PS bei 2.800 U/min. Es handelte sich um eine überarbeitete Version des Vorkriegsmotors aus dem Renault Primaquatre.
  • Renault „Étendard“, Typ 668: Ab 1952/1953: 4-Zylinder-Ottomotor „Étendard“ (Typ 668) aus der Renault Frégate mit 1.996 cm³ Hubraum und ca. 58 PS.
  • Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Hinterradantrieb (Standard) oder zuschaltbarer Allradantrieb (4×4 „Tous Terrains“)
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 100 km/h bis 110 km/h (je nach Version, Motorisierung und Übersetzung)
  • Länge: ca. 4.380 mm
  • Breite: ca. 1.820 mm
  • Höhe: ca. 1.810 mm (bis zu 1.950 mm bei 4×4; mit hohem Planenaufbau bis zu 2.200 mm)
  • Leergewicht: ca. 1.550 kg bis 1.750 kg (4×4 bis über 2.000 kg)
  • Nutzlast: ca. 800 kg (Nutzfahrzeug-Ausführungen)

Besonderheiten der Pick-up-Variante

Anpassung an den gewerblichen Einsatz

Die Pick-up-Version des Renault Colorale wurde gezielt für den harten Alltagseinsatz von Handwerkern, Landwirten und Gewerbetreibenden entwickelt. In einer Zeit, in der geländegängige Nutzfahrzeuge in Europa noch selten waren, bot Renault mit dem Colorale eine funktionale Lösung mit fester Kabine und offener Ladefläche.

Robustheit und Allrad-Option (4×4 „Tous Terrains“)

Ab 1951/1952 stellte Renault die Allradversion „Tous Terrains“ vor, deren Allradtechnik in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten Herwaythorn (HWT) entwickelt wurde. Durch eine deutliche Anhebung des Fahrgestells – Renault spricht von einer um rund 30 cm erhöhten Bodenfreiheit – sowie eine verstärkte Aufhängung war das Modell bestens für schwieriges Terrain gerüstet. Dank dieser Eigenschaften gilt der Colorale Pick-up 4×4 heute als ein früher europäischer Vorläufer moderner Offroad-Pick-ups.

Variantenvielfalt und Sonderaufbauten

Neben dem serienmäßigen Pritschenaufbau nutzten viele Betriebe die Chassis-Cabine-Variante für eigene Aufbauten. Auf der Ladefläche kamen häufig Holz- oder Stahlverkleidungen sowie Planen und Spriegel zum Einsatz, um transportierte Waren vor der Witterung zu schützen.

Historische Bedeutung und Sammlerwert

Insgesamt wurden bis zum Fertigungsende im Jahr 1956 (Abverkauf bis 1957) knapp 43.000 Exemplare der gesamten Colorale-Baureihe gefertigt. Die Pick-up-Version machte davon nur einen kleineren Teil aus. Aufgrund des hohen Fahrzeuggewichts und des vergleichsweise hohen Kraftstoffverbrauchs blieb der große kommerzielle Erfolg der Modellreihe damals aus.

Da viele Pick-ups im rauen Arbeitsalltag aufgebraucht oder verschrottet wurden, existieren heute nur noch wenige erhaltene Fahrzeuge. Restaurierte Exemplare – insbesondere die Allradversionen (4×4) – gelten unter Oldtimer-Liebhabern und Sammlern klassischer Nutzfahrzeuge heute als seltene Raritäten.

Fazit

Der Renault Colorale in der Pick-up-Version steht für ein ungewöhnliches Kapitel der Nutzfahrzeuggeschichte der 1950er-Jahre. Mit seiner Kombination aus robuster Technik, hoher Nutzlast und optionalem Allradantrieb vereinte er Eigenschaften, die richtungsweisend für spätere Geländewagen und Pick-ups waren.

Bild erstellt mit KI

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